Kampfrichterausbildung

Vor ungefähr 13 Jahren bin ich das erste Mal zum Nikolausturnier angetreten, und habe den Ju-Jutsu-Wettkampf das erste Mal aus Sicht eines Athleten gesehen. Nachdem wir nun seit ein paar Jahren ein extra Wettkampftraining haben, war es im Dezember so weit und ich saß das erste Mal als Coach am Rand der Matte. Was kommt dann als Nächstes? Natürlich als Coach weiter Kämpfer erfolgreich auf die Matte bringen. Aber warum nicht noch einen draufsetzen hatte Gregor die Idee und selber Kampfrichter werden? Ein paar kurze Gespräche später und wir beide waren zur Kampfrichter-Aus- und Weiterbildung angemeldet. Man kennt sich halt in der Ju-Jutsu-Familie.

Und so hieß es am 17.01. auf in die Sportschule Obehaching, um zu lernen, wie man Kampfrichter ist. Aber bevor ich davon berichte, erstmal etwas Hintergrundwissen. Bei Ju‑Jutsu‑Wettkämpfen gibt es in der Regel drei verschiedene Disziplinen, in denen man antreten kann. Es gibt „Duo“, bei dem man zu zweit startet, einen Angriff vorgegeben bekommt und dann darauf aufbauend eine Technikkombination zeigen muss, die nach verschiedenen Kriterien bewertet wird. Beim „Fighting“ (was wir auch im Verein anbieten) kämpfen zwei Athleten gegeneinander, und sammeln erst im Stand mit Schlägen und Tritten, später im Bodenkampf Punkte. Und zu guter Letzt gibt es noch das „BJJ“ bei dem man die Schläge weglässt und direkt versucht, den Gegner am Boden zur Aufgabe zu zwingen.

Die Kampfrichterausbildung, bei der wir waren, ist für Duo und Fighting. Und so ging es pünktlich um 9 Uhr mit einer Einführung in die Technik los. Und gerade beim Duo braucht man da so einiges. Es gibt ein Sekretariat, das die Punkteeintragungen und die Anzeige mit den Punkteständen verwaltet. Ein bis zwei Video-Kampfrichter müssen schauen, dass die Angriffe auch die geforderten sind, die Vielfältigkeit der Techniken bewerten und natürlich auch im Falle einer Video-Challenge diese durchführen. Drei Punktrichter sitzen am Mattenrand und tragen Punkte für die Sauberkeit von Angriff, Abwehr, Wurf und Abschluss in ihr Tablet ein. Und einen Mattenkampfrichter, der die Kämpfer anleitet, gibt es auch noch. Der bekommt aber keine technischen Hilfsmittel. Im Anschluss an die Technik-Einführung haben wir anhand von praktischen Beispielen besprochen, wie die Punkte zu vergeben sind, und worauf es bei den Techniken ankommt. Dann haben wir vom Kadertraining nebenan Duopare bekommen, mit denen wir das Ganze in einem simulierten Wettkampf praktisch ausprobieren konnten.

Nach einem ausführlichen Mittagessen ging es dann mit Fighting weiter. Hier gibt es nicht ganz so viele Kampfrichterpositionen zu besetzen. Wie beim Duo leitet ein Mattenkampfrichter den Kampf. Unterstützt wird er dabei von zwei Seitenkampfrichtern am Rand der Matte oder zwei Videokampfrichtern. Und auch hier ist das Sekretariat für die Punkteintragungen verantwortlich. Zu Beginn der Fighting-Einheit haben wir die genauen Kriterien erklärt bekommen, die entscheiden, ob ein Ippon (2-3 Punkte), Wasari (1 Punkt) oder auch eine Strafe gegeben werden muss. Daraufhin haben wir diese Theorien an gezielten, grenzwertigen Beispielen angewandt und diskutiert. Schließlich sollen alle Kampfrichter ein möglichst gleiches Bild davon haben, was wie zu bepunkten ist, und manchmal ist der Unterschied zwischen einem Ippon und einem Regelverstoß erstaunlich gering. Und zu guter Letzt haben wir auch die Fighting-Einheit mit simulierten Wettkämpfen beendet, um möglichst realistisch zu üben. (Wobei die Wettkämpfer sich deutlich weniger an die Regeln gehalten haben als bei einem echten Wettkampf, sodass wir auch die Vergabe von Strafen üben konnten.) Und damit ging ein schöner und sehr lehrreicher Tag zu Ende.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, ob ihr bei zukünftigen Wettkämpfen einen unfairen Vorteil haben werdet, wenn wir als Kampfrichter auf der Matte stehen. Aber da muss ich euch leider enttäuschen. Zu den Wettkämpfen fahren wir entweder als Coach oder als Kampfrichter, und auch wenn einer von uns bei einem Wettkampf, bei dem ihr antretet, Kampfrichter ist, werden wir nicht eure Kämpfe richten. Ihr werdet aber davon profitieren, dass wir die Regeln und Sichtweise der Kampfrichter besser verstehen und noch besser wissen, worauf wir im Training achten müssen.